Über kaum einen anderen inneren Zustand ist so viel geschrieben, gemalt und gesungen worden, wie über das Gefühl völlig auf sich selbst zurückgeworfen zu sein. Zugleich ist für manchen die Zeit alleine unverzichtbar und wertvoll. Wer allein ist, muss nicht einsam sein. Bei Einsamkeit fühle ich mich ausgeliefert, hilflos und ohnmächtig. Einsamkeit entsteht, wenn wir unsere sozialen Beziehungen als mangelhaft empfinden.
Einsam ist, wer sich einsam fühlt!
Einsamkeit ist unsichtbar. Einsamkeit ist ein subjektive Gefühl. Einsame Menschen sind schwer erkennbar. Im Lauf unseres Lebens können wir die verschiedensten Formen von Einsamkeit durchleben. Anhaltende Einsamkeit wird zu einem Problem, sie wird dann mehr als ein unangenehmes Gefühl. Chronische Einsamkeit schadet der Gesundheit. Unser Organismus ist im Dauerstress und es entstehen körperliche Schmerzen.
Nähe schafft nicht automatisch Verbundenheit
Das Fehlen von Menschen – von denen wir uns verstanden fühlen, die uns nah sind, mit denen wir uns wohl und geborgen fühlen – kann zu schmerzhafter Einsamkeit führen.
- „Ich bin von vielen Menschen umgeben, aber sie sind nicht mit mir.“
- „Niemand versteht mich wirklich.“
- „Ich habe keinen Menschen dem ich sagen kann, wie´s mir wirklich geht.“
- „Keiner kennt mich wirklich gut bzw. keinem kann ich mich zeigen, wie ich bin.“
- „Ich vertraue mich niemandem an, traue niemandem.“
Niemand ist immun gegen Einsamkeit
Einsamkeit ist eine unerträglich schmerzhafte Gefühlsmischung, die uns hilflos zwischen Verzweiflung, Trauer, Angst, Zorn und Wut gefangen hält. Oder wir spüren, dass wir die Verbindung zur Welt, zu den Menschen und zu uns selbst verlieren. Das Erleben von Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Verbundenheit lindert die körperlichen Schmerzen der Einsamkeit.
Natur versus Einsamkeit?
Welche Wirkung hat der bewusste Aufenthalt im Grünen auf uns Menschen?
Der Blick vom Gipfel ins Tal oder an einem Wasserfall oder auf einer Almwiese oder einem funkelnden Sternenhimmel in einer mondhellen Nacht, bewirkt für viele Menschen ein Gefühl der Freude, Entspannung und Befriedigung bis hin ins spirituelle Erleben. Die Sehnsucht nach Naturaufenthalten und die Verbundenheit mit der Natur bleibt lebendig.
Zeit in unberührter Naturlandschaft tut uns Menschen gut:
- mindert Angst und Grübeleien
- steigert Kreativität und geistige Leistungsfähigkeit
- hilft beim Finden von Lösungen
- stärkt die Verbundenheit zur Natur und damit zu uns selbst
- aktiviert unsere körperliche und psychische Selbstregulation
- intensiviert Gefühle der Ehrfurcht und Zugehörigkeit
- stärkt die Empathie und Offenheit zu den Mitmenschen
Je mehr wir die Verbindung zur Natur verlieren, verlieren wir auch die Verbindung zu anderen Menschen. Denn wir sind selber ein Teil der Natur.
Wenn ich mich einlasse, die Natur respekt- und liebevoll als Partner wahrnehme, dann kann sie mich stärken, unterstützen und sogar Begleiter und auch Therapeut werden.
Natur macht uns menschlich und beziehungsfähig
Natur regeneriert uns – unseren Körper, Geist und unsere Seele. Die Natur lädt nsere Batterien wieder auf. Natur fördert unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, unsere Immunkraft und unsere Resilienz. Natur repariert unseren Organismus und aktiviert unsere Lebenskräfte.
Je mehr sich Menschen einem DU öffnen können, umso geringer ist die Gefahr in schmerzvoller, chronischer Einsamkeit zu landen:
- Je mehr wir die Natur als DU wahrnehmen, in die Wirkung der Natur eintauchen, mit ihr in Resonanz gehen, umso stärker ist unsere Einsamkeitsresilienz.
- Je mehr wir uns mit der Natur verbunden fühlen, umso stärker ist die Kommunikation und Verbundenheit mit unserem eigenen Selbst.
- Je mehr wir mit der Natur in Beziehung treten, umso stärker sind die eigenen Selbstregulierungskompetenzen.
Unsere Widerstandskräfte gesund mit Einsamkeit umzugehen, werden durch den bewussten achtsamen Kontakt zu Wald, Fauna und Flora, Bäche und Seen, Almen und Berge gestärkt. Wir fühlen uns wohler, gesünder, ruhiger, energiegeladener, haben weniger Stress. Langfristige Verbundenheit mit der Natur macht Menschen glücklicher, stärkt die Zufriedenheit.
„Wenn wir uns in die Natur begeben und uns wirklich auf sie einlassen, dann fühlen wir uns besser gestimmt, haben unsere Emotionen besser im Griff, können uns wieder besser konzentrieren, fühlen uns weniger gestresst und anderen Menschen näher verbunden. Wir bringen mehr Mitgefühl auf und sind großzügiger. Wer sich mit der Natur verbunden fühlt, kann sich besser in einen anderen Menschen hineinversetzen und verhält sich anderen gegenüber wohlwollender.“ (Dr. Manfred Spitzer – Einsamkeit macht krank – S. 241)
Ein Beitrag von Gabriella Squarra
Literatur:
Dr. Manfred Spitzer – Einsamkeit die unerkannte Krankheit – Droemer Verlag – 2018
Dr. Christine Brähler – Neue Wege aus der Einsamkeit – Irisana Verlag – 2020
Anton A. Bucher – Verbundenheit – Waxmann Verlag – 2022
Anton A. Bucher – Einsamkeit – Qual oder Segen – Springer Verlag 2023
Michael Huppertz & Verena Schatanek – Achtsamkeit in der Natur – Jungfermann Verlag 2021
Sandra Knümann – Naturtherapie – Beltz Verlag 2019
Carsten Gans, Katja Dienemann, Anja Hume, Andre Lorino – Arbeitsraum Natur – Springer Verlag 2020
Germann-Tillmann, Roos Steiger – Naturgestützte Inverventionen – Verlag Schattauer 2024

