Georg Grabner berichtet über seinen Weg vom Landrat zum Hospizbegleiter
Berchtesgaden – Nach der Jahreshauptversammlung des Hospizvereins Berchtesgadener Land im Haus der Sozialen Dienste im Berchtesgadener Franziskanerkloster wurde es persönlich: In einem Vortrag schilderte der ehemalige Landrat Georg Grabner seinen Weg in die Hospizarbeit – offen, mit feinem Humor und einer spürbaren Verbundenheit zu seiner heutigen Aufgabe.
Über sich selbst rede er eigentlich nicht gerne, schickte er voraus. Nach mehr als 30 Jahren Berufspolitik – fast 13 Jahren als Landtagsabgeordneter und 18 Jahren als Landrat – habe für ihn jedenfalls festgestanden, im Ruhestand nichts Politisches mehr machen zu wollen. Alles habe seine Zeit.
»Es gibt ein Leben nach der Politik und hoffentlich vor dem Tod«,
sagte Grabner und sorgte damit für Lacher im Publikum.
Die Entscheidung, sich ehrenamtlich in der Hospizarbeit zu engagieren, fiel nicht spontan, sondern war das Ergebnis eines längeren Prozesses. Schon als Landrat kämpfte Grabner gemeinsam mit Dr. Birgit Krause-Michel, damals internistische Oberärztin am Krankenhaus Bad Reichenhall, gegen ärztliche und politische Widerstände für die Einrichtung einer Palliativstation. 2005 wurde diese schließlich an der Kreisklinik Bad Reichenhall eröffnet – als erste südöstlich von München. Im folgenden Jahr starb dort ein an Krebs erkrankter Cousin Grabners. Tief bewegt habe Grabner damals sein letzter Besuch bei ihm, ebenso die professionelle und zugleich einfühlsame Begleitung des Sterbenden durch das Pflegepersonal.
Bei einem Grußwort zum zehnjährigen Jubiläum des Hospizvereins kündigte der damalige Landrat bereits an:
»Wenn ich einmal in Pension gehe, dann kann ich mir vorstellen, zu euch zu kommen«
– was man ihm damals nicht so recht glauben wollte. Doch nach seinem Eintritt in den Ruhestand 2020 machte Grabner Anfang 2021 Ernst und meldete sich beim Verein.
Ganz selbstverständlich war die Aufnahme nicht. Beim ersten Gespräch wollten die Koordinatorinnen seine Motivation kennenlernen und auch wissen, wie es wohl bei Patientinnen und Patienten ankomme, wenn der ehemalige Landrat zur Begleitung erscheine. Grabners Antwort:
»Da kommt nicht der Ex-Landrat, sondern der Georg Grabner.«
Im April 2021 begann dann der mehr als 100 Unterrichtsstunden umfassende Befähigungskurs zum ehrenamtlichen Hospizbegleiter. Die Themen reichten von Gesprächsführung und Kommunikation über körperliche und psychische Prozesse des Sterbens, medizinische und ethische Fragen bis zu Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Selbstfürsorge. Auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit gehörte dazu. Manches aus der Ausbildung wäre ihm, so Grabner, bereits im Berufsleben hilfreich gewesen – etwa der bewusste Umgang mit Nähe und Distanz.
Zur Ausbildung gehörten außerdem zehn Besuche in einem Altenheim und ein Selbsterfahrungswochenende. Dort ging es auch um die Eignung der Teilnehmenden für die Hospizarbeit – und umgekehrt um die Frage, ob diese Aufgabe zu ihnen passt. Für Grabner ging die Ausbildung anschließend jedenfalls weiter.
Mit erkennbarer Freude berichtete er von der Gemeinschaft, dem Vertrauen und der Offenheit in der Ausbildungsgruppe und von der engagierten Kursleitung durch Sabine Haut und Claudia Morgalla-Raphaelis. Im Dezember 2021 schloss er den Kurs ab, im April 2022 erhielt er sein Zertifikat. Im Mai 2022 übernahm Grabner seine erste Begleitung, einen Monat später kam bereits ein zweiter Patient hinzu. Seither ist er nahezu durchgehend im Einsatz. Für Grabner steht heute fest:
»Es war genau die richtige Entscheidung für mich.«
Er sei immer wieder erstaunt, was Menschen und auch ihre Angehörigen ihm anvertrauten. Dabei sei die Hospizarbeit keineswegs immer nur todernst und traurig:
»Es wird auch viel gelacht.«
Seit gut drei Jahren ist Grabner zudem Vorsitzender des Fördervereins des 2020 eröffneten Chiemseehospizes in Bernau. Die Nachfolge von Alois Glück übernahm er zunächst zögernd, doch inzwischen macht ihm die Aufgabe trotz der vielen Arbeit viel Freude. Viele Menschen fürchten sich nach Grabners Erfahrung weniger vor dem Tod als vor dem Sterben – vor Schmerzen, Atemnot, Einsamkeit oder dem Gefühl des Ausgeliefertseins. Hospizarbeit nimmt den Menschen deshalb in seiner Gesamtheit in den Blick.
»Ich sehe uns nicht als Sterbebegleiter, sondern in erster Linie als Lebensbegleiter – bis zum Tod der Patientinnen und Patienten«,
sagte Grabner. Und wer meint, eine solche Aufgabe nicht übernehmen zu können, dem hält Grabner die gute Aus- und regelmäßige Fortbildung der Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter entgegen – und verweist darauf, wie viel von den begleiteten Menschen und ihren Angehörigen zurückkommt. Auch ihn selbst hat die Arbeit verändert.
»Ich bin noch dankbarer für jeden Tag und zufriedener geworden«,
sagte Grabner. Sein Fazit:
»Ich würde es immer wieder machen.«

